turning
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Seit
2001 beschäftigt sich die Malerin und Bildhauerin Anna Werkmeister
mit dem Medium Videofilm, das ihr jenseits der klassichen Gattungen
völlig neue Handlungsfelder für ihren künstlerischen
Ansatz eröffnete. In den zurückliegenden drei Jahren
erarbeitete sie im mittelbaren Reflex auf ihre Bilder und Lichtobjekte
sowohl eine Reihe konstruktiv aufgefaßter Natur-Videos als
auch sensible Menschenbeobachtungen, die entweder auf Reisen in
Deutschland oder während eines viermonatigen Stipendiums
in der Schweiz entstanden. In diesen neuen Videoarbeiten, die
auf den ersten Blick äußerst heterogen erscheinen,
analysiert Anna Werkmeister mit konsequenter Logik die Gesetzmäßigkeiten
natürlicher Lebensformen - bzw. im kulturtheoretischen Kontrast
dazu - die Dynamik technischer Abläufe in konzentrierten
Bildsequenzen, bei denen es ihr wie bereits in den früheren
Werken immer wieder um das Konstruktive und die immanente Struktur
von Formen und Sequenzen geht.
Aus der Synthese von Dokumentation und formalem Sehen sind in
der folge weiterführende Arbeiten entstanden, die in fortgeschrittener
Abstrahierung z.B. sich bewegende und rauschende Espenblätter
im Wind, trockene hin- und herwiegende Schilfhalme im Winter oder
die Organisationsstrukturen von Bienen zeigen. Seien es die Beobachtungen
von Pflanzen im Wind oder die in einen Bienenstock ein- und ausfliegenden
Tiere, immer sind es strukturelle Überlegungen und Akzentuierungen,
die den Videoarbeiten ihre formale Strenge verleihen und sie damit
so suggestiv machen. "Still in move 2" läßt
die sozialen Organisationsformen und streng aufgebauten Bewegungsrichtungen
der Bienenvölker im Anflug auf den Stock nachvollziehen,
während in den Naturarbeiten "still in move 1"
und in der Videoarbeit "still in move 3" das Repetitive
und Serielle in den Vordergrund treten. Neben den visuellen Strukturen
und der Hingabe an das Bild, ist es immer wieder der Sound von
Geräuschen und technischen Abläufen, dem sie ihre Aufmerksamkeit
widmet und ihn bewußt in das Konzept der Videoarbeiten einbezieht.
Auch auf der klanglichen Ebene werden die Phänomene fokussiert
und weitestgehend aller umgebenden Störungen entledigt, so
dass daraus eine Klangstruktur entsteht, die eine unmittelbare
Verbindung zur Präsenz der Bilder herstellt.
Was die Künstlerin daraus entwickelt, ist stets die mediale
Diskrepanz zwischen Bild und Struktur: bei der Videoarbeit "Wasser-Mühlenräder"
der Diskurs zwischen der repetitiven Technologie archaischer Schaufelräder
und den freien Bewegungssequenzen herabfallenden Wassers als eine
Inszenierung gleichermaßen poetischer wie struktureller
Bilder, bei den Kurzportraits älterer Schweizer Personen
dagegen derjenige zwischen epischer Lebensvielfalt und konzentrierter
Situation. Solche Übertragungen formaler Aspekte auf den
erzählerischen Ansatz der neuen Arbeiten, in denen der Mensch
im Mittelpunkt steht, zeigt auch "spins", eine Bewegungsstudie
von sich um die eigene Achse drehenden Personen. Geschwindigkeit
und Bildausschnitt, Tempo und Fokus vermitteln neben der Persönlichkeit
des Individuums auch allgemeingültige Eindrücke sozialer
Gesetzmäßigkeiten und Strukturen. Gerade in dieser,
auch auf komplexere Zusammenhänge angewandten Distanz zwischen
Fokussierung einerseits und Strukturalisierung andererseits stellt
sich die Verbindung zu Anna Werkmeisters älteren Lichtobjekten
her, deren wesentliches Charakteristikum das Wechselspiel mit
Transparenz und Undurchsichtigkeit, mit Schärfe und Unschärfe
ist.
Ralf
F. Hartmann
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